Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg


Die Sammlungen der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg sind von der ersten Erwähnung im Jahr 1370 bis in die Gegenwart hinein in enger Verflechtung mit ihrem Entstehungsraum gewachsen: Zu den Gründungsbeständen aus der Ratsbibliothek und den acht im Stadtgebiet gelegenen Klöstern kamen Privatbibliotheken von Persönlichkeiten aus Nürnberg und der Region.

1945 wurden in die Bibliothek zwei mit dem NSDAP-Gauleiter von Mittelfranken, Julius Streicher (1885-1946), verknüpfte Bestände überführt: zum einen dessen ehemalige Privatbibliothek, zum anderen die Redaktionsbibliothek des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“. Die Aufbewahrung in der Stadtbibliothek ist seit einem 2002 unterzeichneten Vertrag als Dauerleihgabe der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg geregelt. Bei der Katalogisierung der rund 9.000 Bände im Zeitraum zwischen 1997 und 2005 wurden die Provenienzmerkmale verbatim erfasst, digital dokumentiert und im elektronischen Katalog der Stadtbibliothek veröffentlicht. Um die heterogenen Bestände der Sammlung IKG – in 25 Sprachen – zu ordnen, wurde eine eigene Systematik mit 43 Bereichen entwickelt. Diese Ordnung bildet die Grundstruktur zur neu eingeführten, für eine Neuaufstellung der Bestände genutzten Signaturengruppe IKG. Eine wissenschaftlich belastbare Gesamtuntersuchung der diversen Inhalte der Sammlung IKG steht zwar noch aus, wurde jedoch in den meisten Restitutionsfällen vorgenommen. Die Ergebnisse zur Identifizierung der als Vorbesitzer festgestellten rund 2.200 Personen und Körperschaften werden seit 2008 in laufend aktualisierten Listen veröffentlicht. Im Rahmen der bis heute im Auftrag von Stadt Nürnberg und Israelitischer Kultusgemeinde fortgeführten Provenienzrecherchen konnten mehr als 800 Schriften restituiert bzw. deren Verbleib in der Sammlung vertraglich geregelt werden.

Weitere Informationen zur Sammlung IKG finden Sie hier

Eine systematische Untersuchung der Erwerbungen für die Stadtbibliothek in der Zeit zwischen 1933 und 1945 steht aus. Einzelne Funde aus Sammlungen von dem Nürnberger SPD-Stadtrat Dr. Dr. Max Süßheim (1876-1933) und von Paula Kirschbaum (1882-1962), geborene Süßheim, sind von der beim Stadtarchiv Nürnberg angesiedelten Stelle zur Ermittlung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter veröffentlicht worden.

Weitere Informationen zur Liste von Objekten mit vermutetem NS-verfolgungsbedingten Entzug in den Sammlungen der Stadt Nürnberg finden Sie hier

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