Jüdisches Museum München


1989 errichtete der Kunsthändler Richard Grimm in einem kleinen Appartement in der Altstadt Münchens ein jüdisches Museum. Bereits in den 1960er-Jahren hatte er gemeinsam mit dem späteren OB Christian Ude den Deutsch-Israelischen Kulturkreis gegründet. Das kleine, privat geführte Museum weckte international beachtliches Interesse und wurde zu einem Geheimtipp für Touristinnen und Touristen aus aller Welt. Eine Vergrößerung des Museums etwa ein Jahrzehnt später konnte Grimm nicht mehr finanzieren und es wurde 1998 unter städtische Trägerschaft gestellt und als eine Art Interimsmuseum in Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde in der Reichenbachstraße untergebracht. Die im Laufe der Jahre gesammelten, weltweit gestifteten Exponate und Erinnerungsstücke bildeten einen wichtigen Kernbestand des 2007 am St.-Jakobs-Platz eröffneten Jüdischen Museums München, das sich durchaus als Nachfolger dieser ersten privaten Initiative verstand.

 Das Jüdische Museum München ist bis heute ein Ort, wo jüdische Geschichte und Gegenwart aufeinandertreffen, wo Alltagsgeschichten erzählt und Kulturgeschichten gezeigt werden. Entsprechend fokussiert die Provenienzforschung im Kontext NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes vorwiegend auf die Erforschung von Alltags- und Gebrauchsgegenständen sowie religiösen Ritualobjekten. Häufig sind es also hebräische Inschriften oder Punzen auf Silberobjekten, die die einzig verfolgbaren Spuren oder Indizien darstellen, anhand derer biografische und Objektrecherchen gemacht werden können. Oft wird das Museum mit sogenannten Dachboden- oder Flohmarktfunden konfrontiert, die eine Recherche zu ehemaligen Besitzverhältnissen beinahe unmöglich machen. Und oft genug sind auf den Objekten keinerlei biografische Hinweise vorhanden. Dann ist das primäre Ziel des Jüdischen Museums München die würdevolle Aufbewahrung mutmaßlich geschändeter Objekte. Ebenso ist das Aufdecken von Fälschungen insbesondere im Bereich der Forschungen zu Ritualgegenständen ein wesentlicher Teil der Provenienzforschung im Museum.

 Das Jüdische Museum München versteht sich u.a. auch als Berater deutscher und internationaler musealer Einrichtungen, v.a. im Zusammenhang mit den eben beschriebenen NS-verfolgungsbedingt entzogenen Judaica und im Kontext biografischer Forschungen bei der Eruierung anspruchsberechtigter Erben.

 2020 genehmigte das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste eine maßgebliche Zuwen­dung zur Einrichtung einer auf zwei Jahre anberaumten Projektstelle zur Edition der Inventare von über 200 bayerischen Synago­gen, die der Kunsthistoriker Theodor Harbur­ger zwischen 1927 und 1931 anfertigte. Auf über 2.000 eng beschriebenen Seiten doku­mentierte Harburger Ritualgegenstände wie Tora-Schmuck, Synagogaltextilien und weitere Ausstattungsgegenstände der von ihm besuchten Synagogen. Die handschrift­lichen Aufzeichnungen zu mehreren tausend Objekten umfassen Maß- und Materialanga­ben, detaillierte Beschreibungen, hebräische Abschriften von Widmungsinschriften und zeichnerische Wiedergaben von Meister- und Beschauzeichen bei Silbergegenständen, die eine zweifelsfreie Zuordnung vorliegender Objekte ermöglichen. Die Projektstelle nahm ihre Tätigkeit im April 2021 auf. Die Ergebnisse werden in einer Online-Daten­bank ab 2023 öffentlich zugänglich sein.

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