Jüdisches Museum Augsburg Schwaben


Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben (JMAS) ist das älteste, von einer Stiftung getragene Jüdische Museum Deutschlands. Es wurde 1985 anlässlich der Renovierung der großen Augsburger Synagoge von Julius Spokojny, einem Shoa-Überlebendem und damaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg (IKG), in den Räumlichkeiten der Kultusgemeinde eingerichtet und ist im Westflügel des Gebäude­komplexes untergebracht. Die Synagoge in der Augsburger Innenstadt, die zwischen 1913 und 1917 nach den Plänen von Fritz Landauer und Heinrich Lömpel errichtet wurde, gehört zu den schönsten Synagogen Europas. Als einzige Großstadtsynagoge in Bayern überdauerte sie die Zeit des Nationalsozialismus. Heute ist sie wieder das Zentrum einer jüdischen Gemeinde, die durch Migration von Jüdinnen und Juden aus den Ländern der ehe­maligen Sowjetunion größer ist als je zuvor.

Gründungsgedanke des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben war damals einen Ort der Begegnung zu schaffen, die Besucher*innen mit jüdischer Tradition und Religion vertraut zu machen und in einen interreligiösen Dialog zu treten. Bis heute ist es dem JMAS daher ein Anliegen, Traditionen, Kultur und Rituale des Judentums in Kooperationen mit der Jüdischen Gemeinde lebendig zu halten und einem breiten Publikum zu vermitteln. Dies spiegelt sich auch in der Sammlung des Museums, die neben Ritual- und Kultgegenständen auch Alltagsgegenstände ehemaliger jüdischer Landgemeinden aus dem Raum Bayerisch-Schwaben und der Region Augsburg von der Frühen Neuzeit bis heute enthält.

 Im Vorfeld einer umfassenden Um- und Neustrukturierung der Sammlung des JMAS in den letzten Monaten sowie im Kontext des museumsweit diskutierten Aspektes der Provenienzforschung sieht sich das JMAS in der Pflicht, seine eigene Sammlung dezidiert dahingehend aufzuarbeiten und Geschichte und Herkunft seiner Objekte näher zu beleuchten.

Tora-Schild aus Binswangen ©Jüdisches Museum Augsburg Schwaben

Dies lieferte den Anstoß zu dem seit November 2021 laufenden Projekt „Provenienzforschung an ausgewählten Silber- & Textil-Judaica des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben“, welches den einschlägigen Fragestellungen nach der Herkunft der Objekte nachgeht. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern genehmigten hierzu eine maßgebliche Zuwen­dung zur Einrichtung einer auf ein Jahr anberaumten Projektstelle zur Untersuchung des projektbezogen definierten Bestandes von 160 Objekten. Vornehmlicher Untersuchungsgegenstand ist der Tora-Schmuck der ehemaligen jüdischen Landgemeinden Bayerisch-Schwabens, darunter herausragende Arbeiten von Augsburger Silberschmieden aus dem 17. bis zum 19. Jahrhundert. Neben dem Einfließen der Erkenntnisse in die in den nächsten Jahren neu zu konzipierende Dauerausstellung soll nach Abschluss des Projektes zur Provenienzforschung zunächst eine Online-Ausstellung die Erkenntnisse des Projektes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Zudem ist nach Beendigung der geplanten Renovierungsarbeiten an der Synagoge eine Sonderausstellung geplant, die die Ergebnisse der Provenienzforschung anschaulich darstellt.

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