Restitutionsprüfverfahren

Sachverhaltsprüfung abgeschlossen

Seit der sog. Washingtoner Erklärung von 1998 haben die Staatsgemäldesammlungen 12 Werke restituiert. Diese stammen aus den Sammlungen von Curt Glaser, Eduard Behrens, Julius Kien, August Liebmann Mayer, Josef Block, Max Meirowsky, Ottmar Strauss und  Elisabeth Glanville. Die Restitutionen von 6 Werken an die Erben von Julius Kien, August Liebmann Mayer und Eduard Behrens erfolgten proaktiv, d.h. auf Initiative der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Sachverhaltsprüfung läuft

Das Holocaust Claims Processing Office fordert stellvertretend für den Max Stern Estate das 1989 bei Karl und Faber in München erworbene Gemälde von Hans von Marées „Ulanen auf dem Marsch“. Max Stern (1904-1987) stammte aus Mönchengladbach und war ein sehr erfolgreicher Kunsthändler in Düsseldorf. Die Galerie Stern hatte ihre großzügigen Räumlichkeiten in der Königsallee, wo sich insgesamt zehn Ausstellungssäle, Werkstatt und Lagerräume befanden. Die Galerie führte seit 1931 sehr erfolgreiche Auktionen und Ausstellungen im Breidenbacher Hof und im Parkhotel Düsseldorf durch. 1935 erfolgte seitens der Reichskammer der bildenden Künste die Anordnung zur Auflösung der Galerie. Zwar konnte Stern bis 1937 Fristverlängerungen erwirken, doch im November 1937 musste er seinen Kunstbestand im Auktionshaus Lempertz versteigern und nach London emigrieren.

Die Erben nach James von Bleichröder, vertreten durch eine Anwaltskanzlei, fordern die Auferweckung des Lazarus von einem süddeutschen Meister, ein Werk, das 1961 als sogenannte „Überweisung aus Staatsbesitz“ zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen kam. James von Bleichröder (1859-1937), königlich preußischer Rittmeister der Landwehr und Doktor der Rechtswissenschaften, war Sohn des Bankiers Gerson Bleichröder. Das in Rede stehende Gemälde wurde nach dessen Tod 1938 bei dem Auktionshaus Lepke versteigert, dort von der Kunsthandlung Böhler, München, erworben und kurz darauf an Hermann Göring verkauft. Es befand sich bis 1945 in der Sammlung Hermann Göring und wurde 1961 von der Treuhandverwaltung an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen überwiesen. Diese meldeten das Gemälde 2006 bei www.lostart.de, da aufgrund der Herkunft aus der Sammlung Göring ein Verdacht auf Raubkunst besteht.

Fritz Salo Glaser (geb. 30.08.1876 in Zittau –18.10.1956 Dresden) war ein Rechtsanwalt und Kunstsammler in Dresden. In seiner umfangreichen Sammlung befanden sich Werke von Künstlern des Expressionismus und der damaligen deutschen Avantgarde. Glasers Ehefrau war nicht jüdischer Herkunft und so konnte die Familie den Holocaust überleben. Die Staatsgemäldesammlungen haben 1971 von Theodor und Woty Werner das Gemälde von Paul Klee mit dem Titel „Hafenbild“ erhalten, das sich einst in Glasers Sammlung befand. Über das genaue Erwerbsdatum ist auch den Erben nach Glaser wenig bekannt und die zu recherchierende Provenienzlücke erstreckt sich aktuell von 1933 bis mindestens 1949.

Die Erben nach Paul von Mendelssohn-Bartholdy (1875-1935) fordern seit 2009 das Gemälde von Picasso mit dem Titel Madame Soler. Das Gemälde gehört zu einer Gruppe von 16 Gemälden, die Paul von Mendelssohn-Bartholdy und seine Ehefrau um 1934/35 verkauften. Das Gemälde Madame Soler ging an die Kunsthändler Heinrich und Justin Thannhauser, was von den Anspruchstellern u.a. aus Mangel an Primärquellen und aufgrund des Zeitpunktes als verfolgungsbedingter Verlust bezeichnet wird. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben das Gemälde 1964 von Justin Thannhauser erworben und gehen von einem unverdächtigen Rechtsgeschäft zwischen Thannhauser und Mendelssohn-Bartholdy aus und haben die Rückgabe deshalb bereits im Jahr 2010 abgelehnt. Die Erben nach Paul von Mendelssohn-Bartholdy haben im Jahr 2013 in den USA Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht. Die Klage wurde aufgrund der Staatenimmunität des Freistaats Bayern mangels Zuständigkeit amerikanischer Gerichte in zwei Instanzen zurückgewiesen. Zuletzt hat auch der US-Supreme Court in Washington D.C., das oberste Verfassungsgericht der USA, im Januar 2016 die Annahme zur Entscheidung abgelehnt.

Zu der Kunstsammlung von Carl Hagen recherchierten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seit 2009. 2014 wurden zusätzliche externe Recherchen wegen wiederholter Restitutionsforderungen beauftragt. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen dokumentieren damit, dass sie die Forderungen der Erben sehr ernst nehmen und zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um die Eigentumsverhältnisse zu klären und eine faire und gerechte Lösung im Sinne des Washingtoner Abkommens zu erreichen.. Im Fall Hagen konnte dem Begehren der Erben auf Restitution des Gemäldes "Das Zitronenscheibchen" von Jacob Ochtervelt nicht entsprochen werden, da es sich bei diesem Gemälde nach der vorhandenen Faktenlage nicht um einen verfolgungsbedingten Entzug während des nationalsozialistischen Regimes handelt

Die Erben nach Alfred Flechtheim (1878-1937) fordern seit 2008 sechs Gemälde von Max Beckmann, drei von Juan Gris und zwei von Paul Klee. Die Gemälde gehören zum umfangreichen Komplex der Sammlung Alfred Flechtheim, die sowohl aus privaten als auch in seiner Galerie gehandelten Werken besteht. Die genannten Werke wurden zwischen 1928 und 1932 von Alfred Flechtheim verkauft. Allerdings haben die Staatsgemäldesammlungen die Werke erst 1968, 1971 und 1974 über Ida Bienert, Theodor und Woty Werner und Günther Franke erhalten und sind daher nicht im Besitz der Verkaufsbelege aus dieser frühen Zeit, weshalb die Antragsteller einen verfolgungsbedingten Verlust nach Flechtheims Emigration annehmen, während die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen auf Basis des aktuellen Forschungsstands von unverdächtigen Rechtsgeschäften in den Jahren 1928 bis 1932 ausgehen und keinen Verdacht auf einen verfolgungsbedingten Entzug erkennen können.

 

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