Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen betreiben systematische Provenienzforschung seit 1999.

Die Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erstreckt sich auf alle Kunstwerke, die ab 1933 erworben bzw. inventarisiert wurden und vor 1945 entstandenen sind. Gemäß der Holocaust Konferenz von 1998 in Washington werden die Bestände in den Pinakotheken und Zweiggalerien überprüft, um festzustellen, ob sich darunter während des Nationalsozialismus unrechtmäßig enteignete Kunstwerke aus ehemals jüdischem Besitz befinden. Zielsetzung ist eine möglichst lückenlose Dokumentation der Provenienzen, die die Aufklärung von Eigentumsverhältnissen erleichtert.

Ungefähr 4400 Gemälde und 770 Skulpturen werden proaktiv untersucht. Diese Kunstwerke wurden in einem ersten Durchgang auf offene Provenienzen überprüft, was ca. 1500 Werke betrifft, die eine zu Teilen unklare Provenienz bzw. Provenienzlücke aufweisen. Mit Einzelrecherchen wurde begonnen, nachdem die Kunstwerke zu relevanten Themenkomplexen zusammengefasst wurden. Meldungen auf der Internetplattform ‹Lost Art‹ erfolgen kontinuierlich, wenn sich Raub oder verfolgungsbedingter Verlust nicht gänzlich ausschließen lassen. Die Zahl der Meldungen erhöht sich ständig und veranschaulicht die ernst gemeinte Bereitschaft der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, ihren Bestand zu überprüfen und Raubkunst zu melden.

Das Referat für Provenienzforschung besteht aus insgesamt vier Mitarbeitern. Es wird von Dr. Andrea Bambi geleitet.

'Überweisungen aus Staatsbesitz'

Bild3.jpgBildrückseite des Werkes »Zur Schwemme« von Julius Bergmann, aus dem Konvolut der »Überweisungen aus Staatsbesitz«, vorbereitet für die Protokollierung der Provenienzmerkmale
©Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Seit 2013 werden die ›Überweisungen aus Staatsbesitz‹ von Florian Wimmer [†] und Anja Zechel bearbeitet. Im Juli 2016 hat Johannes Gramlich die Nachfolge von Florian Wimmer angetreten. Forschungsgegenstand sind rund 900 Gemälde und Skulpturen, die einst die Büros und Wohnhäuser hochrangiger Nationalsozialisten schmückten und nach Kriegsende in den Museumsbestand gelangten. Die Kunstwerke stammen u.a. aus den nach 1945 enteigneten Sammlungen von Martin Bormann, Heinrich Hoffmann, Eva Braun, Hans Frank, etc. oder hingen in Gebäuden wie der Parteikanzlei, dem Führerbau oder auch dem Platterhof am Obersalzberg. Von 1999-2002 forschte Ilse von zur Mühlen bereits zu den 'Überweisungen aus Staatsbesitz' und publizierte 2004 einen Katalog zur Kunstsammlung Hermann Görings. Bis Dezember 2015 erfolgten einschließlich dieser Forschungsergebnisse 236 Meldungen bei Lost Art; kontinuierlich werden weitere Kunstgegenstände aus diesem Bestand bei ›Lost Art‹ eingestellt. Ziel des Projekts ist zudem, die grundlegenden Entscheidungsprozesse und Motive, die zu den Überweisungen geführt haben, zu rekonstruieren, zu analysieren und zu verschriftlichen.

 

Klassische Moderne

Bild4.jpgBildrückseite des Gemäldes »Sitzende Frau« von Pablo Picasso mit Widmung des Künstlers: »Pour M. Werner«
©Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Seit März 2015 ergänzt Johanna Poltermann das Referat für Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. In Zusammenarbeit mit Andrea Bambi soll die bereits begonnene Recherche zu den Hauptwerken des Sammlungsbestandes der Klassischen Moderne der Pinakothek der Moderne abgeschlossen werden. Der Fokus der proaktiven Recherchen liegt auf den rund 240 Hauptwerken der Klassischen Moderne, welche größtenteils in der ständigen Ausstellung zu sehen sind. Hierzu zählen ausschließlich Gemälde und Skulpturen der expressionistischen Avantgarde von Ernst Barlach, Karl Hofer und Oskar Kokoschka über die Künstler der ›Brücke‹ und des ›Blauen Reiters‹ bis hin zur umfangreichen Max-Beckmann-Sammlung. Bei fast all diesen Werken handelt es sich um Nachkriegserwerbungen. Der überwiegende Anteil fand in Form von Stiftungen und Ankäufen aus Privatsammlungen Eingang in die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Forschungsschwerpunkte sind daher die Werke aus den ehemaligen Sammlungen von Sofie und Emanuel Fohn, Theodor und Woty Werner, Martha und Markus Kruss und Günther Franke.

 

Projekt Alfred Flechtheim

Bild6.pngScreenshot der Website www.alfredflechtheim.com
©Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Zusammen mit 14 weiteren Museen zeigten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bis März 2014 in Ausstellungen und auf einer Website Kunstwerke, die durch ihre Provenienz in Verbindung mit den Galerien von Alfred Flechtheim stehen. Die gezeigten Werke sind über verschiedene Wege in die jeweiligen Sammlungen gelangt: einen Teil erwarben die Museen direkt bei Alfred Flechtheim, sei es als Ankauf, Geschenk oder durch seine Vermittlung. Weitere Werke wurden von ihm an Dritte verkauft und gelangten über mehrere Zwischenstationen – meist nach 1945 – in die Museen. Die Website www.alfredflechtheim.com ist weiterhin Online verfügbar.

 

Weitere Informationen zur Provenienzforschung an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen finden Sie hier.

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